09.02.2026
Selbstversorgungsgrad bei Schweinefleisch: Produziert Deutschland wirklich zu viel?
In der öffentlichen Debatte wird häufig darauf verwiesen, dass Deutschland beim Schweinefleisch einen Selbstversorgungsgrad von rund 135 % erreicht. Diese Zahl wird gerne als Beleg für eine vermeintliche Überversorgung herangezogen. Tatsächlich ist diese Zahl jedoch nur eine rechnerische Größe und greift zu kurz.Der Schlachtkörper eines Schweins besteht aus sehr unterschiedlichen Teilstücken. Während Edelteile wie Filet, Lende oder Schinken in Deutschland besonders gefragt sind, werden andere Teile – etwa Kopf, Pfoten, Schwänze oder bestimmte Fettabschnitte – hier kaum noch verzehrt. Diese werden überwiegend exportiert und finden im Ausland Absatz als Spezialität.
Gerade bei den beliebten Edelteilen reicht die heimische Produktion dagegen nicht aus. Marktexperten schätzen, dass der Selbstversorgungsgrad bei diesen Teilstücken nur bei etwa 70 % liegt. Der fehlende Bedarf muss durch Importe gedeckt werden. Im letzten Jahr waren es etwa 900.000 Mio. Tonnen Schweinefleisch, Zubereitungen, Würste und Speck.
Bislang veröffentlichen die Behörden keine offiziellen Berechnungen zum Selbstversorgungsgrad, die nach einzelnen Teilstücken von Schweinefleisch differenzieren. Eine solche Analyse wäre jedoch wünschenswert, um die tatsächliche Versorgungslage in Deutschland realistischer abzubilden und politischen wie wirtschaftlichen Entscheidungen eine fundiertere Datengrundlage zu geben.
